HUMANOO | Wearables - nützliche Gesundheitshelfer oder teurer Fitnesstrend?

Wearables - nützliche Gesundheitshelfer oder teurer Fitnesstrend?

Wearables - nützliche Gesundheitshelfer oder teurer Fitnesstrend?

Fitnesstracker, Smart-Watches und Gesundheitsapps - die Digitalisierung ist mittlerweile auch im Gesundheitssektor angekommen. Viele schwören auf die digitalen Helfer - zur Gewichtsreduktion, zur Trainingsoptimierung oder einfach nur zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit. Wie wirksam sind aber solche Wearables und welches Potential verbirgt sich dahinter?

 

Unter Wearables werden Minicomputer verstanden, die meistens in Form eines Armbandes, einer Uhr oder sogar eines Schuhs am Körper getragen werden und Mikrochips, kleine Akkus und eine besondere Software enthalten. Vor allem in den Bereichen Lifestyle sowie Fitness und Gesundheit finden Wearables Anwendung und haben zahlreiche Funktionen. Gesundheitsdaten wie die Herzfrequenz oder der Blutdruck können erfasst, Schritte gezählt und der Kalorienverbrauch gemessen werden. So dienen Wearables der dauerhaften und individuellen Gesundheitsförderung und -überwachung (Matusiewicz, 2017).

Wer nutzt die digitalen Fitness-Tracker?

Fast ein Drittel der Bundesbürger ab 14 Jahren nutzt Fitness-Tracker, so die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von Bitkom Research (2016). Dabei tragen 18% Fitness-Armbänder, 13% verwenden Smartphones mit Fitness-Apps und 6 % setzen auf Smartwatches. Vor allem die Körpertemperatur, das Körpergewicht und die Anzahl der gegangenen Schritte wird laut der Umfrage überwacht. Wenig überraschend ist dabei, dass die Hauptzielgruppe jüngere und ohnehin schon eher gesund lebende Menschen sind. Trotzdem zeigt die Digital Health Studie des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost, dass auch die Generation 60+ immer mehr an digitaler Trainingsunterstützung interessiert ist. Über 60% der über 60 Jährigen bekundeten ein grundsätzliches Interesse (GeWINO,2015).

Wirkt’s wirklich?

Das Interesse an der digitalen Trainingsunterstützung durch Wearables scheint also durchaus vorhanden zu sein. Doch wie wirksam sind Armbänder und Co. wirklich? Studien haben gezeigt, dass Laufprogramme in Unternehmen mit Hilfe von Schrittzählern das Level der körperlichen Aktivität erhöhen und sich so auch positiv auf andere gesundheitsbezogenen Indikatoren auswirken (Faghri et al., 2008). Auch das mentale Wohlbefinden kann beispielsweise durch einen Schrittwettbewerb und die daraus resultierende Steigerung der körperlichen Aktivität verbessert werden (Hallam et al., 2018).

Es existieren allerdings auch kritische Stimmen, die die Genauigkeit der Wearables anzweifeln. Ein systematisches Review von Evenson et al. (2015) analysierte 22 Studien, die sich mit der Messgenauigkeit verschiedener Fitnessarmbänder beschäftigten. Dabei lag der Fokus auf der Erfassung von Schritten, Distanzen, körperlicher Aktivität, Kalorien und Schlaf. Die untersuchten Studien zeigten eine hohe Validität für die Erfassung der Schritte. Die Genauigkeit der Distanzen und der körperlichen Aktivität konnte nicht in allen Studien bestätigt werden. Die größten Abweichungen gab es bei der Angabe über die verbrauchten Kalorien und die der Schlafdaten.

Es lässt sich also festhalten, dass man sich nicht zu 100% auf die gemessenen Daten verlassen sollte. Insbesondere die angezeigten Kalorien und die Schlafdaten sollten aufgrund wissenschaftlicher Ergebnisse nur als Richtwert gesehen werden. Denn gerade Ungenauigkeiten beim Kalorienverbrauch können zu bösen Überraschungen beim Abnehmerfolg führen. Somit können Wearables auch keine sportmedizinische Untersuchung oder ein professionelles Schlaflabor ersetzen. Die allgemeine körperliche Aktivität und das Gesundheitsbewusstsein kann durch die Minicomputer aber durchaus verbessert werden. Auch in Unternehmen werden Wearables immer häufiger für Schritt-Wettbewerbe eingesetzt werden. Dies ist ein gutes Mittel, um die Motivation zu steigern und neue Anreize für mehr Bewegung im Alltag zu schaffen. Denn egal ob 5000, 6000 oder 10.000 Schritte pro Tag - jeder Schritt zählt.

  


 

Literatur:

  • Bitkom Research (2016). Fitness-Tracker und Datenschutz. Zugriff am 06.02.2018 unter https://www.bitkom.org/Presse/Anhaenge-an-PIs/2016/Bitkom-Charts-PK-Safer-Internet-Day-E-Tracker-und-Datenschutz-09-02-2016-final.pdf

  •  

    Evenson, K.R.; Goto, M.M. & Furberg. R.D. (2015). Systematic review of the validity and reliability of consumer-wearable activity trackers. In: International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity, 12 (159).

     

  • Faghri, P.D.; Omokaro, C.; Parker, C.; Nichols, E.; Gustavesen, S. & Blozie, E. (2008). E-tecnology and Pedometer Walking Program to increase physical activity at work. In: Journal of Primary Prevention, 29 (1).

     

  • Hallam, K.T.; Bilsborough, S. & de Courten, M. (2018). “Happy feet”: evaluating the benefits of a 100-day 10.000 step challenge on mental health and wellbeing. In: BMC Psychiatry

  •  

    GeWINO (Hrsg.) (2015). Digital Health Studie. Akzeptanz elektronischer Trainingsunterstützung. Zugriff am 06.02.2018 unter http://www.gewino.de/content/erkenntnisse/20151214-digital-health-studie/GeWINO_Digital_Health-Studie.pdf

     

  • Matusiewicz, D. (2017) Digitales betriebliches Gesundheitsmanagement. Die digitalen Instrumente sind vorhanden, kommen aber noch selten zum Einsatz. In: Gesundheitsmanager Ausgabe 2.

 

Fitness-Tracker, Schrittzähler, Gesundheitsdaten, Wearables, Trainingsunterstützung

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