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Wirtschaftlicher Nutzen von BGF - mehr als nur Zahlen

Wirtschaftlicher Nutzen von BGF

“Was kostet das?” und “Was bringt das?” sind eine der häufigsten Fragen, die Unternehmen stellen, wenn es um die Entscheidung für oder gegen die Einführung von BGF-Maßnahmen geht. Diese Fragen sind auch vollkommen berechtigt, denn letztendlich handelt es sich immer um eine Investition. Eine Investition in das Humankapital, eine Investition in die Zukunft und vor allem eine Investition, die sich lohnen soll. Doch wie kann der wirtschaftliche Nutzen von BGF-Maßnahmen bewertet werden? Wie können auch indirekte und nicht messbare Effekte berücksichtigt werden?

“Der ökonomische Nutzen von betrieblichem Gesundheitsmanagement gilt als wissenschaftlich eindrucksvoll belegt”

Bödeker, W.; Kramer, I. & Sockoll, I. (2009)

 

In der Literatur existieren zahlreiche Studien, die sich mit dem wirtschaftlichen Nutzen von BGF-Maßnahmen beschäftigen und diesen auch belegen. In einer umfangreichen Meta-Evaluation von Chapman (2003,2005) wurden insgesamt 56 Evaluationsstudien zu dem Thema betrachtet. Hierbei zeigten sich teilweise methodische Mängel, unterschiedliche Messmethoden und verschiedene Ansätze bei der Bestimmung des ökonomischen Nutzens, wodurch eine Vergleichbarkeit erschwert wurde. Einigkeit bestand jedoch darin, dass vorrangig die Krankheitskosten und die Kosten durch krankheitsbedingte Fehltage als ökonomische Variablen verwendet wurden. Die positiven Auswirkungen auf diese Variablen konnten durch den Großteil der Studien belegt werden.

Wirtschaftlicher Nutzen - eine rein monetäre Betrachtung?

Trotz der insgesamt positiven Ergebnisse zeigen die Unterschiede zwischen den Studien auch die Schwierigkeiten bei der Bestimmung des wirtschaftlichen Nutzens auf. Dies fängt bereits bei der Definition des Begriffs an. Ist hierbei allein die Kostenreduktion durch weniger Fehltage gemeint oder werden Aspekte wie die Auswirkungen auf die Arbeitsleistung, die Motivation oder die Mitarbeiterzufriedenheit mit eingeschlossen? Nach Diefenbach und Vordank (2003) reichen rein quantitative Größen wie Kosten, Leistung oder der Return on Investment (ROI) in den betrieblichen Mess- und Bewertungssystemen nicht aus und sollten durch sogenannten “intangible Assets” ergänzt werden. Zu den intangible Assets zählen beispielsweise das Unternehmensimage, die Unternehmenskultur oder das Engagement der Mitarbeiter. Sie zeichnen sich durch begrenzte oder fehlende Imitierbarkeit aus und stellen so einen Wettbewerbsvorteil dar (Moldaschl, 2003).

Erweiterte Wirtschaftlichkeitsanalyse - EWA

Eine Methode, die genau diesen Aspekt berücksichtigt, ist die erweiterte Wirtschaftlichkeitsanalyse. Sie ist ein mehrdimensionales Instrument, welches nicht nur die direkten monetären Größen bei der Bewertung einer Investition analysiert, sondern auch die bereits beschriebenen indirekten und nicht-monetären Auswirkungen. Die EWA kann als ein Drei-Stufen-Verfahren durchgeführt werden: Auf der ersten Stufe werden direkt monetäre Kosten berücksichtigt. Im Falle einer BGF-Maßnahme wären das beispielsweise Planungs-, Beschaffungs- oder Personalkosten, die dem direkten monetären Nutzen (z.B. Rentabilität) gegenüberstehen. Die zweite Stufe bezieht indirekt monetäre Kosten und Kosteneinsparungen mit ein. Hierzu zählen Kosten, die durch Fehlzeiten oder Fluktuation entstehen, die also indirekt durch die Investition beeinflusst werden. Nicht-monetäre Kriterien werden auf der dritten Stufe analysiert. Hier geht es beispielsweise um Arbeitsqualität, Arbeitsautonomie oder Mitarbeitermotivation. Die Steuerungsgrößen werden nun je nach Unternehmen bewertet, gewichtet und in ein Zielsystem eingeordnet. Die nicht-quantifizierbaren Größen werden hierbei mit Hilfe einer Nutzwertanalyse untersucht und es wird ein Nutzwert gebildet (Zangemeister, 2000). Dadurch kann jedes Unternehmen dem jeweiligen Kriterium eine individuelle Gewichtung zuteilen und sowohl monetäre als auch nicht-monetäre Aspekte berücksichtigen. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die Schritte der erweiterten Wirtschaftlichkeitsanalyse.

 

ziehlrahmenAbbl. 1. Drei-Stufen-Verfahren der erweiterten Wirtschaftlichkeitsanalyse, eigene Darstellung in Anlehnung an Mielke (1998), S. 52

Unternehmensziele werden nur mit gesunden Mitarbeitern realisiert

Natürlich ist so eine Analyse mit einem gewissen Aufwand verbunden und nicht immer in der Praxis umsetzbar. Trotzdem macht dieser Ansatz deutlich, dass oft nicht nur die bloßen Zahlen von Bedeutung sind. Die Verbesserung der Arbeitsqualität, die Erhöhung der Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter oder ein verbessertes Betriebsklima tragen ebenso zum Unternehmenserfolg bei, wie direkte und indirekte ökonomische Größen. Ein Blick über den Tellerrand ist gerade dann überaus wichtig, , wenn es um die Gesundheit der Mitarbeiter und damit auch die Zukunft des Unternehmens geht. Nur gesunde Mitarbeiter können langfristig ihre Leistung erbringen, produktiv arbeiten und auch im Alter ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Eine Investition, die sich lohnt.

  


 

Literatur:

  • Bödeker, W.; Kramer, I. & Sockoll, I. (2009). Rentable Investition oder soziale Norm? Zur Wirtschaftlichkeit betrieblichen Gesundheitsmanagements. In Arbeit, Heft 4, Jg. 18, S. 340-352

  • Chapman, LS (2003). Meta-evaluation of Worksite Health Promotion Economic Return Studies. The Art of Health Promotion. 6(6):1-10.

  • Chapman, LS (2005). Meta-evaluation of Worksite Health Promotion Economic Return Studies: 2005 Update. The Art of Health Promotion. Juli/August:1-11.

  • Diefenbach, T. & Vordank, T. (2003). Intangible assets und betriebliches Controlling. Beitrag zur Tagung “Nachhaltigkeit von Arbeit und Rationalisierung” vom 23. bis 24. Januar 2003. Chemnitz: Technische Universität

  • Mielke, A. (1998). Ökonomische Analyse von betrieblichen Gesundheitsförderungsprogrammen. Hamburg: Diplomica Verlag

  • Moldaschl, M. (2003). Nachhaltigkeit von Arbeit und Rationalisierung. Eine integrative ressourcentheoretische Perspektive. Beitrag zur Tagung “Nachhaltigkeit von Arbeit und Rationalisierung” vom 23. bis 24. Januar 2003. Chemnitz: Technische Universität.

  • Zangemeister, C. (2000). Erweiterte Wirtschaftlichkeitsanalyse (EWA): Grundlagen, Leitfaden und PC-gestützte Arbeitshilfen für ein “3-Stufen-Verfahren” zur Arbeitssystembewertung. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag N.W.

Wirtschaftlicher Nutzen, Nutzwertanalyse, Return on Investment, Erweiterte Wirtschaftlichkeitsanalyse

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